Mediterrane Lebendigkeit

Etta Scollo faszinierte mit «Casa» im Lyz / Grenzenlos begeistertes Publikum

Grü Siegen. Vier Musiker, 35 Instrumente, jede Menge gute Lieder. Klar, dass die Kombination zu Begeisterungsstürmen führt, dass ein Ende nicht gewünscht ist und hinausgeschoben werden soll. Dennoch musste ein Schlusspunkt gesetzt werden, aber nicht sofort: Auf Standing Ovations folgten Zugaben, die wiederum stehende Ovationen auslösten und mit Zugaben beantwortet wurden. Ein grenzenlos begeistertes Publikum hätte daraus gern eine Endlosschleife werden
lassen .

Vorausgegangen war ein zweieinhalbstündiges Konzert mit der Sizilianerin Etta Scollo. Sie hat am Samstagabend im Siegener Lyz mit ihrem Programm «Casa», so auch der Titel ihres aktuellen Albums, für beste Unterhaltung gesorgt. Etta Scollos Lieder sind impulsiv und persönlich, changieren zwischen sizilianischer Tradition und Pop-Avantgarde. Ereignisse ihres Lebens, Erinnerungen und vorübergehende Impressionen werden in allen Facetten in ihren Lieder verhandelt. Mal sanft und rockig, mal leise und laut, immer gefühlvoll und harmonisch interessant. «Leben ist für mich Musik», sagt Scollo, «Musik hat die Fähigkeit, Erinnerungen und Emotionen zu reproduzieren, und so die Zeit einzufangen.» Ihre ausdrucksstarken Kompositionen paaren sich mit ihrer kräftigen Stimme und einer ungezwungenen Frische.

Mit Henry Mancinis «Moon River» begann Scollos «nachdenklicher Monolog» über einen Geburtstag in Paris. Nach dem auf der Mundharmonika gespielten Song aus «Frühstück bei Tiffany» faszinierte ihre Stimme mit suggestiver Kraft, erzeugte eine sanfte Melancholie. Titel wie das sehr persönliche «Il giorno piu lungo» (Der längste Tag) und «Piano Piano» wurden mit zurückgenommener Instrumentierung untermalt. Die Instrumentalbegleitung klang aber bei den meisten Titeln anders. Etta Scollo und ihre drei Musiker – Ferdinand von Seebach an Klavier, Posaune und Tuba, Albert Vila am Cello sowie Henning Dageför an der Gitarre – spielten mit lauten und impulsiven Rhythmen auf.

Ob in dem Titel «Lava», einem Lied, das die Sängerin ihrer sizilianischen Heimat gewidmet hat, oder in einem 400 Jahre alten Märchen, das Scollo mit den Worten vorstellte: «Ich muss das Lied jetzt schreien», oder der tollen Tarantella – es war immer mediterrane Lebendigkeit in Präsentation und Text.



Siegener Zeitung, 23. März 2004

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