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Sommer-Traum
Etta Scollo entführte mit kraftvoller Stimme in wärmere Gefilde
Soest (arr). «Hautnah» heißt ein Lied der Sizilianerin Etta Scollo - mit voller Stimme und viel Melancholie ging sie ihren Zuhörern am Freitagabend im «Alten Schlachthof» unter die Haut, zog sie in ihren Bann und ließ sie vom Sommer träumen. Begleitet von drei Hamburgern und vielen Instrumenten wie einem indischen Harmonium, einer singenden Säge oder der mittelalterlichen Schalmei füllte «sizilianische Weltmusik» die Luft.
Es hat «im Hinterkopf geklingelt» bei Edith Heidemann als sie hörte, dass Etta Scollo wieder nach Soest kommt. Sofort war der Amperin klar: «Das muss ich mir auf jeden Fall angucken, das war nämlich schon damals sehr schön.» Damals - das war das legendäre Konzert im Garten der Teichsmühle beim Soester Sommer vor zwei Jahren.
Ganz leise und mit gesenktem Kopf kam die kleine Frau aus Sizilien jetzt auf die Bühne. Doch so leise sie erschien, so voll und durchdringend stimmte sie in den vibrierenden Klang aus Mandoline, Cello und dem Harmonium ein. Vom Frieden sang Etta Scollo, der oft nur noch ein leeres Wort sei, von ihrer Heimat, die sie vermisst, sie erzählte Märchen und von ihrer Familie. Stets schwang Melancholie aber auch Lebenslust mit.
Warum sie nicht einfach nach Sizilien zurückkehre, wenn sie das Land so vermisse, werde sie oft gefragt, erklärte Etta Scollo. Ihre Antwort: «Dann wäre ich nicht mehr sehnsüchtig, und ich liebe dieses Gefühl.»
Ob Querflöte, Drehleier oder Maultrommel: Jeder Ton schien seinen eigenen Platz zu haben in der Musik. Nicht zu laut, nicht zu leise wurde ein Klangteppich gewoben. Und Etta Scollo, mitten drin, spielte mit dem Mikrofon, schwang vor und zurück. Mal war der Raum voll von Musik, mal war es so leise, dass Etta Scollo kein Mikro benötigte, um ihr Fingerschnipsen hörbar zu machen.
Zwar gelang es der kleinen Frau nicht, die mitreißende Stimmung ihres Konzerts beim Soester Sommer wieder aufleben zu lassen. Damals war keiner auf seinem Platz sitzen geblieben, die Leute schienen das Sommergefühl auszuleben. Doch jetzt fand Etta Scollo mit ihrer Musik einen anderen, der winterlichen Jahreszeit angepassten Weg: Dieses Mal lebten ihre Zuhörer den Sommer nicht aus - sie schienen eher davon zu träumen.
Allerdings «wunderschön», fand die Amperin Heidemann. Ihre Erwartungen seien nicht enttäuscht worden. «Genial» stimmte Juli Paschen zu. Der weite Weg durch das Schneetreiben von Delecke aus habe sich gelohnt. Insbesondere die Instrumente seien «sehr beeindruckend» gewesen. Und Melanie Zyche aus Soest resümierte: «Es wird einem wärmer.»
Stadt-Anzeiger, 29. Februar 2004
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