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Zwischen Jazz und Folklore
Songs'n'Singers: Die sizilianische Sängerin Etta Scollo gastierte im Lahrer Schlachthof
Die Sängerin Etta Scollo lebt die Traditionen der alten Geschichtenerzähler ihrer sizilianischen Heimat und verknüpft sie mit zeitgemäßen Pop- und Jazzklängen. In der Reihe «Songs'n'Singers» gastierte sie bereits zum zweiten Mal in Lahr.
VON JÜRGEN HABERER
Lahr. «Leben ist für mich Musik» sagt die zierliche Frau, die sich noch sehr gut an ihren ersten Auftritt vor knapp drei Jahren in Lahr erinnert. «Es war eine laue Sommernacht und ein herrliches Ambiente», beschreibt Etta Scollo den Auftritt im Rahmen der Seekonzerte an der Dammenmühle. Sie kommuniziert ganz offensichtlich gerne, die junge Frau, die mit 18 Jahren zum ersten Mal ihre sizilianische Heimat verlassen hat, um die Welt zu entdecken.
Liebe zum Jazz geerbt
Ihr Weg führte Etta Scollo damals über Wien und New York nach Hamburg; ihre Lieder spiegeln die musikalischen Einflüsse ihrer Stationen wider, erzählen Geschichten aus ihrem Leben, halten Eindrücke und Augenblicke fest.
Mit sicherem Gespür zaubert Etta Scollo eine ganz eigene Art der Popmusik, in der die vom Vater geerbte Liebe zur Jazzmusik auf den Blues trifft, Folk- und Rockklänge auf klassische Anleihen und die unüberhörbaren Traditionen ihrer Heimat, die die Musikerin in Geschichten und Balladen verpackt.
In die fein gewobenen Klangbilder einer Band, die mit Cello und Tuba, Posaune, Akkordeon oder Mandoline für nicht alltägliche Akzente sorgt, mischt Etta Scollo mit ihrer Gitarre und einer ungemein variablen Stimme aber auch immer wieder südländisches Temperament, Leidenschaft und eine bisweilen etwas schwülstige Theatralik.
Ihr Gesang steht dabei deutlich im Vordergrund, entpuppt sich als ungemein vielseitig und ausdrucksstark, zwingt die Instrumente aber auch immer wieder in das Korsett der Unterordnung. Etta Scollo singt ausschließlich auf Italienisch, sie nimmt sich dafür aber die Zeit, die zum Teil sozialkritischen Grundgedanken der Texte, die in Balladen und Songs verpackten Gefühle zu umschreiben.
Charme und Humor
Mit Charme und Humor gibt Scollo dem Abend so eine verschmitzte Leichtigkeit, frönt dem Handwerk der alten Geschichtenerzähler und bremst dabei doch spürbar den musikalischen Fluss des Konzertes. Die Zuhörer im wieder einmal sehr gut besuchten Schlachthof lassen sich davon jedoch kaum beirren und folgen bereitwillig dem kontinuierlichen Wechsel zwischen Wort und Musik.
Zwischen gefühlvollen Momenten, temperamentvollen Ausbrüchen, swingenden Klangbildern und hin und wieder auch schmachtenden Liedern erfahren die Zuhörer so allerhand über Etta Scollos Leben am Fuße des Ätna, über die Märchen, Sitten und Bräuche ihrer Heimat, vor allem über die Blickwinkel, mit denen die junge Frau die Welt und das Leben betrachtet und in Lieder verpackt.
aus Offenburger Tageblatt vom Samstag/Sonntag, 20./21. März 2004
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