| Jubel für Etta Scollo Hamburg – Aus tiefster Seele kommt Etta Scollos Schrei, singt sie vom Mädchen, das auf dem Markt gegen eine ungewollte Heirat rebelliert. Sich dieser Stimmkraft, diesem musikalischen Temperament zu entziehen, dürfte jedem schwer fallen. Vom ersten Moment an packt die singende Geschichtenerzählerin aus Sizilien mit der dramatischen Ausdrucksskala des Canta Storia ihr Publikum beim bejubelten Konzert in Schmidts Tivoli. Scollo präsentierte Lieder aus der neuen CD «Casa» und wurde erst nach vielen Zugaben von der Bühne entlassen. Der Herzschlag der Erinnerung pulsiert in Scollos schillerndem Gesang und ihren sich jeder Einordnung entziehenden Kompositionen. Die Lieder verschmelzen Elemente traditioneller Folklore mit denen von Jazz und Pop. Wohin diese moderne Troubadourin auch reiste, sie brachte sich Klangfarben mit, mischt frei die Stile von Blues und sizilianischer Ballade, von Fünfzigerjahre-Schnulze und Volkslied aus der Renaissance. Die Vielfalt spiegelt sich auch im Arrangement für alte und neue Instrumente: Ukolele, Drehleier und Singende Säge spielen die fünf fabelhaften Musiker neben den Klassikern Klavier und Cello, natürlich auch E-Gitarre und Schlagzeug. Jeder ist selber Solist auf Topniveau. Scollo, die singende Poetin mit der kochenden Lava im Blut, ist auch eine in Bann schlagende Darstellerin der aufmüpfigen Gedanken und leidenschaftlichen Gefühlsdramen. Man muss die italienischen Worte gar nicht verstehen, sie sprechen ganz direkt und lebendig durch ihr Singen und die Musik. (-itz) erschienen am 23. Sep. 2003, Hamburger Abendblatt, Kultur / Medien ← zurück |