1. Les Siciliens | 
Text: Etta Scollo + Musik: Etta Scollo
Freunde, machen wir weiter! Und denken über das böse Schicksal dieser braven Menschen nach, deren Freiheit zu Ende ist. // Nehmen wir zum Beispiel diese höchst Mutigen aus den Zeiten der Vesper, einfallsreiche junge Leute // Les Siciliens, Les Siciliens // Diese einfallsreichen Menschen, deren Mut keinen Wert hat, denn zu jener Zeit schätzt man die Beschränkten und die Dummköpfe.// Auf dem Gipfel eines Berges in der Burg von Sperlinga versteckten sie die Franzosen mit all ihren Familien // Les Siciliens, Les Siciliens....
// Von überall zogen viele Leute los, // eine große Anzahl Soldaten und Offiziere, auch die Justiz rief ihnen mit lauter Stimme zu „ergebt Euch, Franzosen, sonst seid Ihr tot“ // „Hier ist niemand hier sind keine Franzosen“ // so antworteten die Freunde in Sperlinga „Hier sind nur Schafe und Ziegen überall. Wer das nicht glauben will, // der probiere diese Cavagna*“ // „Bevor diese Erbärmlichen nicht tot sind, werde ich keinen Frieden finden // und wenn es soweit sein wird, // werde ich mich mit gutem Wein betrinken“ // So sangen die triumphierenden Soldaten, // aber dann hatte das Vergnügen ein Ende // Les Siciliens, Les Siciliens.. // Denn es war die Milch der französischen Frauen, // die ihren Söhnen und Männern // das Leben rettete // Die schlauen Menschen von Sperlinga // machten Ricotta daraus // und warfen diesen nach unten // auf die Soldaten vor dem Tor // und auch wenn all dies kein Auge sah // und kein Ohr hörte, // so bestätigt es doch die Legende // der Sizilianer und der Franzosen ... Les Siciliens, Les Siciliens ...
(* “Cavagna“ = eine Art Ziegenricotta)
2. Le `olam | 
Text: Sebastiano Burgaretta + Musik: Etta Scollo
Nur der Wind weiß, wie dieses große, mächtige und umklammernde Licht kommt. // Nur der Wind weiß, wo es ungestüm hervorbricht, um mich umkreisend zu bestürmen. // Le `olam, le `olam, der Wind weht! // Le `olam,
le `olam, der Wind weht! // Aber der Wind spricht nicht: Er bläst und singt ohne Noten, ohne die auf der Geige gespielten. // Er braust und steuert ohne Regeln, ohne die am grünen Tisch aufgestellten. // Le `olam, le `olam, der Wind weht! // Le `olam, le `olam, der Wind weht! // Ich bin eingeschüchtert, benommen von diesem Wind, geblendet von diesem Licht, Le`olam, // Mich selbst suche ich ohne Unterlass, ich berühre mich und trete mit
den Füßen auf den Boden, um mich zu versichern, dass ich da bin, Le `olam, Le `olam. // Ich fühle, dass ich wirklich da bin. Ich bin es: Jener, der den ganzen Tag rennt und brennt; jener, der den Schlamm mit den müden und schmutzigen Füßen durchwühlt; // jener, der immer schroff redet. // Und doch darf ich nicht sein. Diese Komödie endet nicht mit mir. Wann suchte ich je Theaterstühle und-tische im Licht der Reflektoren? // Versteckt blieb ich um zu arbeiten: nicht einmal der vorbeiziehende Wind durfte es wissen. // Le `olam, le `olam, der Wind weht! // Le `olam, le `olam, der Wind weht!
3. La peddi nova | 
Die neue Haut
Text: Ignazio Buttitta + Musik: Etta Scollo
Sicher war es schön, zu schreiben wie ein Betrunkener, // der in der Taverne trinkt und die Flasche ansieht und mit ihr spricht und dem Glas zulächelt, das er leert und dann wieder neu füllt. // Schreiben, durchtränkt von Liebe: Die Schwangerschaft, die Wehen, die Geburt, die richtige Zeit, einen Sohn zu gebären und ein Gedicht. // Sicher war es schön; aber nun bin ich innerlich ausgehöhlt und zerrissen und ich schreibe // mit dem Schmerz, der mich krümmt wie eine Ranke im Ofen; wie ein von Gespenstern Verfolgter, angestachelt von den Bienen. // Die Geschichte dieser glühenden Jahre hat mit den Nägeln in mir gehackt, und ich bleibe erschrocken stehen und sehe, wie alle Menschen am Faden eines einzigen Schicksals hängen, in einem Schiff aus Stroh, das untergeht. // Ich höre, dass meine Stimme, die sie aus der Ferne ruft, Grenzen hat, Grenzen auch der Liebe, und in der Luft erstirbt. // Ich möchte ein Sandkorn auf dem Sandstrand sein; ein Fisch im Netz mit den Anderen, damit beschäftigt sind, den Käfig, der sie einschließt, zu versenken. // Ich möchte mich leeren, mich häuten, // mir eine neue Haut machen, wie die schwarzen Schlangen.
4. Lu focu | 
Text: Traditional + Musik: Traditional
Ein Strohfeuer dauert nicht lang wie die Liebe einer Lügnerin.// Die Liebe, die weniger als eine Stunde andauerte // ist wie das launische Feuer einer Megäre. // Mein verliebtes Auge sah dich klar // ein Brunnen von reinem kristallklaren Wasser // och wenn einmal die Steine // von Flussbett herausgenommen sind // bleibt nur der Schlamm für den Abflussgraben. // Die Todesglocken klingen // jetzt, da du meine Liebe getötet hast. // Die Sonne ist dunkel geworden, auch der Himmel und das Meer// und mein Herz ist voller Schmerz. // Du hast mein Herz den Totengräbern gegeben, // sie graben Gruben und Gräber // sie suchen Schädel und böse Menschen // um mir Dornen statt Blumen zu geben.
5. Colapesce | 
Text: Giovanni Meli + Musik: Etta Scollo
In Sizilien ist der mythische Name des Colapesce bekannt, eine Amphibie die zur Zeit der Herrschaft Friedrichs II. geboren wurde, im Wesentlichen ein gut proportionierter Mann. // Dieser Mann taucht unter, eine Amphibie unter Wasser, und kommt nicht wieder hinauf, und kommt nicht wieder hinauf. // Er kommt hin, und es scheint ein Leichtes, eine Woche, eine Woche dort zu bleiben. // Dort isst er, schläft und geht seinen Angelegenheiten nach, und kehrt zurück, um Luft zu atmen nach sieben Tagen. // Durch die einzigartige Naturgabe eines Fisches, auf dem Meeresgrund mit den Fischen zusammen sein und die großen und tiefen Meere erforschen zu können, hat er die Wunder unter den Wellen gesehen. // Dieser Mann taucht unter ... // Beschloss er einmal, hinabzutauchen, da erschien er auch schon wieder als jener berühmte – und das war er auch – Colapesce der Mythen.
6. A li matri di li carusi | 
An die Mütter der Carusi
Text: Ignazio Buttitta + Musik: Etta Scollo
Mütter, die Ihr Eure Söhne in die Schwefelmine schickt, ich frage Euch, warum gebt Ihr Euren Söhnen Augen, wenn sie den Tag nicht sehen können? Warum gebt Ihr ihnen Füße, wenn sie auf allen vieren kriechen? // Schickt sie nicht in die Schwefelmine! Schickt sie nicht in die Schwefelmine!... // Wenn Ihr kein Brot habt, reißt Euch eine Brust ab, ein Stück der Wange, um sie zu sättigen. Wünscht ihnen eher den Tod; lieber einen Toten mitten im Haus, ausgestreckt auf einem gestopften Laken, den Ihr beweinen könnt und dem Ihr nah sein könnt. // Lieber einen Toten, zurechtgelegt auf dem armseligen Bett Eures Hauses mit den Leuten, die kommen um ihn zu sehen und den Hut ziehen, wenn sie eintreten. // Lieber einen Toten im Haus als in der Schwefelmine vergraben, und Ihr weint über der Erde, kratzt mit den Nägeln, esst Steine, hört die Klagen, ohne ihn von den Steinen befreien zu können, die ihn zerquetschen. Macht sie aus Schwefel, die Söhne! Macht sie aus Schwefel, die Söhne!
7. Arvulu | 
Baum
Text: Biagio Guerrera + Musik: Etta Scollo
Baum, Baum, der umhergeht, der die Erde sucht. Wo ist die Erde? Wo? // Die Erde ist das Blut Deiner Mutter. Wo ist die Erde? Wo? // Die Erde ist das Herz Deiner Mutter, um Wurzeln zu schlagen. // Schneiden wir sie ab, schneiden wir diese Zweige ab und er weinte. // Schneiden wir sie ab, schneiden wir diese Zweige ab und er weinte. // Wir müssen sie abschneiden, um Kränze zu binden. // Wir müssen sie abschneiden, um Kronen zu flechten.
8. Storia di Lorenzo Panepinto | 
Die Geschichte des Lorenzo Panepinto
Text: Traditional + Musik: Etta Scollo
Der frühe Abend des 16. Mai, das Wetter düster und der Mond war nicht da. Die niederträchtigen Gottlosen und die Betrüger wollten die Laternen nicht entzünden. // Wie viel Trauer es in dem Dorf gab, als die Tochter kam, die elende Kreatur. Lieber Gott, was soll ich jetzt tun, noch Mädchen und schon blieb ich allein zurück. // Und Don Lorenzo wird beerdigt, begleitet von der ganzen Gemeinschaft. Begleitet von der ganzen Gemeinschaft. Jeder blieb stumm. // Jeder blieb stumm und dachte zurück an das Leben des Don Lorenzo. Alle Sizilianer weinten: Der Vater, der unser Brot verteidigte, ist gestorben. // Komplizen sind die Pächter und auch die Rathausbeamten. Die Mächtigen konnten es nicht mehr schlucken, dass Don Lorenzo wachen Auges war. //
Und weil er dem Volk geholfen hatte, wurde Don Lorenzo am Ende ermordet.
9. La ballata del Prefetto Mori | 
Die Ballade vom Präfekten Mori
Text: Ignazio Buttitta + Musik: Ennio Morricone
Mein Herz weint, jetzt, da ich aufgehört habe, von dieser wahren Geschichte zu singen, wenn ich daran denke, dass die Mafia am Altar steht und diese ehrliche und arme Erde entehrt, die Brot und Arbeit, Freiheit, Gerechtigkeit und Schulen will, aber nicht die Mafia, und nicht das infame Gesetz der Lupara, und nicht die Ehre, Ehre und Ruhm für den, der stiehlt und schießt. Dieses schreien wir, mit unserer Stimme, die die Toten erweckt. Wie müde wir sind, und wir wollen Leben und Schicksal ändern.
10. La tristizza | 
Die Traurigkeit
Text: Ignazio Buttitta + Musik: Etta Scollo
Die Traurigkeit hat ganz langsam, wie ein verzogener Hund – kommt heute, kommt morgen – ein Haus mit sieben Stockwerken in meinem Herzen gebaut. // Nie sah ich jemanden, sicher ist, dass ich eines Morgens gesehen habe, wie die Traurigkeit (ohne Polier und ohne Kalk) ein Haus mit sieben Stockwerken in meinem Herzen baute, mit einer engen und langen Treppe, damit sie hinaufgehen kann, wann sie will. // Das Haus ist immer verschlossen, abgedichtet ist jeder Riss, auf den Wänden und den Türen die schwarzen Insignien des Todes, oben schwarz, unten schwarz, wie auf dem Boden einer Grotte; und ohne Augen und ohne Wimpern ist die Traurigkeit dort und wacht. // Nun steigt sie hinauf, nun steigt sie hinab: Woher kommt sie? Wie kam die Traurigkeit dazu, dieses Haus mit sieben Stockwerken zu bauen? Das mich in die Tiefe reißen will.
11. Abballati! | 
Tanzt!
Text: Traditional + Musik: Traditional
Tanzt, tanzt, Ihr ledigen und Ihr verheirateten Frauen und wenn Ihr nicht gut tanzt, singe ich nicht für Euch und spiele ich nicht für Euch. // Sciù, sciù, sciù, wie viele Frauen, die da sind! / Sciù, sciù, sciù, wie viele Männer, die da sind! // Da sind vier zerdrückte, die bereiten wir mit Kartoffeln zu, da sind vier zarte, die bereiten wir mit Erbsen zu.
12. A la vò | 
Text: Traditional + Musik: Traditional
Deine Mutter segnete den Tag und den Moment, da sie Dich neben sich fand. Nach neun Monaten großer Mühsal machtest Du sie zur Mama und sie küsste Dich auf die Stirn. // Schlaf mit Deinen Engeln, meine Kleine, schlaf, ruh Dich aus, ich singe Dir die vò. // Vò, vò, vò, schlaf, Du Schöne und mach die vò. // Wenn ein Stern vom Himmel hinab fiele, käme sein Glanz nicht dem gleich, den Du mit Deiner lieblichen Schönheit in dieser Wiege aus Rosen und Blumen erschaffst.