Etta Scollo einmal fast verträumt: Die Sängerin fängt in ihren Songs Stimmungen aus ihrer Heimat ein.

Sonne und Schatten werden zu Musik

Lyrische sizilianische Lieder: Sängerin Etta Scollo begeisterte ihre Fans beim Konzert im Café Hahn

KOBLENZ. Sizilianisch, lyrisch, melancholisch, euphorisch - mit Schlagwörtern lässt sich Etta Scollo, die jetzt im Cafe Hahn mit ihrer Band spielte, nur schwer verorten, obwohl alle Begriffe stimmen. Die Vielfalt ihrer Musik spiegelt sich dabei allein schon wider, wenn man einen Blick auf die drei Musiker wirft, die Scollo im Cafe Hahn unter anderem mit Tuba, Posaune, Klavier, Cello, Mundharmonika und Trommeln begleiteten. Den Gitarrenpart übernahm die in Catania, im Schatten des Ätna, geborene sizilianische Sängerin dabei sogar meist selbst.

Etta Scollo fängt Stimmungen ein. Sie nimmt den Zuhörer mit in sizilianische Sommerhitze, schreitet mit ihm als einsame Spaziergängerin durch Paris oder fängt den Moment ein, als sie zum ersten Mal Sizilien verließ und damit ein neues Leben begann. Sicherlich alles persönliche Erfahrungen, aber Scollo versteht es, das auszudrücken, was hinter ihnen steht - Erwartung, Abschied, Melancholie oder Euphorie, Gefühle wie sie jeder kennt. Bei ihr hat man nicht den Eindruck, dass sich irgend jemand irgendwann an den «Komponiertisch» hingesetzt hat. Die Songs schrieb das Leben.

Großen Raum nahm bei dem sehr gut besuchten Konzert der sizilianische Part ein. Scollo, die sowohl auf italienisch als auch auf sizilianisch singt, ist dabei aber nicht nur kulturelle Botschafterin ihrer Heimat, die sich des Dialekts bedient. Ihr gelingt es mit ihren Texten und ihrer Musik, die Mittelmeerinsel so zu beschreiben, dass man meint, man sei da - im Schatten der Siesta oder inmitten abendlicher Euphorie, wenn die Kühle der Dunkelheit das Leben wieder freigibt. Wie sehr gerade dabei diese Lebensfreude, die sich musikalisch teilweise in einem immer schnelleren Tempo ausdrückt, auf die Zuhörer übersprang, zeigte nicht zuletzt der von Standing Ovations begleitete Schlussapplaus. Erst nach zahlreichen Zugaben entließen die Besucher Etta Scollo und ihre Band.

Übrigens brillierte die Sizilianerin nicht nur ais Musikerin, sondern auch als Entertainerin: Leicht und witzig moderierte Scollo, die perfekt Deutsch spricht, ihre Lieder an, erzählte Inhalt und Entstehung. Fast so lyrisch wie ihre Lieder.

Peter Karges


Donnerstag, 18. März 2004

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