Etta Scollo

ALFONS MARIAN

Casa

Etta Scollo war schon immer eine Künstlerin für all jene, die beim Musik hören gern ins Schwärmen und Schwelgen geraten. Liebe, Weite und Sehnsucht sind Gefühle, die sie ohne Scheu in ihren Songs auslebt - ausleben kann, weil ihr der Fehler der Gefühlsduselei nicht unterläuft. Ihr neues Album heißt «Casa» und spricht wieder eines dieser emotionsgeladenen Themen an: Es geht ihr diesmal um Heimat, Sich-zu-Hause-Fühlen und Geborgenheit.

Da weiß sie, wovon sie spricht. Ihre sizilianische Heimat verließ sie bereits mit 18 Jahren, wurde später in Österreich ein Star und heimisch. Inzwischen lebt sie in Hamburg, ist dort der Liebe wegen hingezogen: Heimat hat eben nicht allein mit Herkunft zu tun, sondern ist der Ort, an den man gern nach Hause kommt. Lyrisch und melodiös singt sie von ihrer Ururgroßmutter, die im 19. Jahrhundert von Norditalien aus in die strenge sizilianische Gesellschaft ging («Il Ricordo»), von der Lava, die alle paar Jahre ihren Heimatort Catania im Schatten des Ätna heimsucht («Lava») und von dem Wunsch, möglichst unauffällig von einem Ort zu verschwinden («Piano piano»). Das Meiste davon ist autobiografisch. Wie etwa auch ihre Ode an die Liebe, ohne die zwei zugezogene Menschen in einer fremden Großstadt verloren wären («Per Amore») oder die Schilderung ihrer Gefühle an dem Tag, an dem sie Sizilien zum ersten Mal verließ («Il giorno più lungo»). All das kleidet sie in luftige Arrangements mit Akustikgitarre, Cello, Schlagzeug und allerlei mittelalterlichem Instrumentarium, das aber ebenso wenig in den Vordergrund tritt wie die singende Säge in zwei Stücken. Im Mittelpunkt steht die Scollo, ihre herzbebende Stimme und ihre stets leidenschaftliche Gefühlswelt. Zum Schwärmen.

erschienen am 26. Sep. 2003 in Hamburger Morgenpost
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