Faszinierende Mischung aus Musik und literarischen Anekdoten

Stehende Ovationen im Lyz - Publikum feierte sizilianische Sängerin Etta Scollo

Siegen. (cd) Mit stehenden Ovationen feierte das Publikum im fast ausverkauften Lyz das Gastspiel der sizilianischen Sängerin Etta Scollo.

Etta Scollo ist eine kleine Person. Fragil wirkt sie zwischen ihren Musikerkollegen auf der Bühne. Dennoch zieht sie alle Aufmerksamkeit auf sich. Charisma nennt man das wohl.

Wenn sie zwischen ihren Liedern kleine Fabeln erzählt, davon, wie das Leben ist und wie es sein sollte, dann redet sie ganz leise. Das Publikum ist mucksmäuschenstill - so als sei diese Geschichte nur für diesen Abend geschrieben worden. In beinahe perfektem Deutsch, mit einem sehr charmanten Akzent, verbindet Scollo Musik und literarische Anekdoten zu einem faszinierenden Ganzen.

Die Sizilianerin bewegt sich zwischen Popmusik, Chanson und Liedermacher-Kunst, lässt aber nie einen Zweifel daran, wo ihre Wurzeln sind. Ihre Stimme fährt die ganze Bandbreite zwischen filigranen Höhen und tiefem Reibeisen ab, kann sowohl bezaubern wie aufwecken. So sind auch ihre Texte: Zwischen Melancholie und Wut, nie belanglos.

Musikalisch wurde die Sängerin wunderbar unterstützt von Ferdinand von Seebach, Albert Vila und Frank Wulff. Die Musiker boten vor allem durch einen ständigen Wechsel der Instrumente eine sehr facettenreiche Begleitung.

So wechselte Frank Wulff zwischen Gitarre, Akkordeon, Glockenspiel, Mandoline und anderen historischen Instrumenten, die den Liedern ihr folkloristisches Element gaben. Wer das Glück hatte, an diesem Abend im Siegener Lyz zu sein, weiß nun, warum nicht nur das Magazin Focus dieser Künstlerin eine große Zukunft voraussagt. Das Urteil: «Melancholischer als Gianna Nannini, besser als Paolo Conte.»

Dem wäre nichts hinzuzufügen.



Westfälische Rundschau, 24. März 2004

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