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Mit viel Herz und erfrischender Offenheit
KONZERT / Liederabend mit Etta Scollo bei Odeon im Alten E-Werk
Sie singt Klagelieder von der Großmutter, liebt neben Cool-Jazz auch Folk- und Popsongs, kämpft für Frieden im Kosovo und gegen die Mafia: Liedermacherin Etta Scollo löst im Alten E-Werk Jubel und Begeisterung aus.
KURT LANG
GÖPPINGEN - Als sie am Freitagabend die E-Werk-Bühne betrat, wirkte sie neben ihren drei Begleitmusikern, diesen gestandenen Mannsbildern, ungemein klein und schmächtig, die Etta Scollo. Und auch gleich beim ersten Lied reckt die junge Sizilianerin den Kopf energisch nach oben - ganz so, als wolle sie sich vier, fünf Zentimeter größer machen. Doch schnell wird deutlich, dass diese Gestik nichts, aber auch gar nichts mit eitler Koketterie zu tun hat. Die Besucher entdecken vielmehr in dieser wunderbaren Künstlerin eine ganz andere Größe: Erhobenen Hauptes nimmt sie zu gesellschaftlichen Ereignissen kritisch Stellung, schreitet mit aufrechtem Gang durch ein Leben, das sie mit sehr viel Herz und erfrischender Offenheit wohl ziemlich glücklich zugenießen versteht.
Die Sorge, die zierliche Musikerin könnte von ihrer monströsen Gitarre erdrückt werden, ist unberechtigt. Scheinbar leicht, als sei's eine Daunenfeder, weiß Etta Scollo damit in bester Picking-Manier umzugehen. Mit ihrer ungemein kräftigen, ausdrucksstarken und höchst nuancenreichen Stimme überrascht sie mit einem musikalisch breitgefächerten Repertoire: Da finden die Klagelieder der italienischen Großmutter ebenso Gehör wie die coolen Jazz-Interpretationen des Vaters, und selbst traditionelle Volkslieder gehen scheinbar mühelos einher mit fetzigen Pop-Songs. Eindringlich singt die Liedermacherin für «Frieden im Kosovo», um gleich darauf verschmitzt mit sizilianischem Humor den Ätna zu beschwören, mit seiner Lava die Wurzeln der Mafia zu verbrennen. Zunächst wehmütig folgt die Ballade über den Abschied von der geliebten Heimat Sizilien, die freilich in fröhliche Beschwingtheit ausklingen sollte. Nicht zuletzt durch die stimmungsvollen Arrangements erwiesen sich Albert Vila (Cello), Ferdinand von Seebach (Klavier, Posaune, Tuba) und Hinrich Dageför (Akkordeon, Gitarre) als Begleitmusiker von Rang. Jubelrufe, nicht enden wollender Beifall und viele Zugaben für einen musikalischen Glücksgriff von Odeon.
LOKALER KULTURSPIEGEL, Montag. 22. März 2004
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